EINLEITUNG

Die Kultur des Westens, und damit auch die westliche Medizin, ist geprägt durch das Denken im „Entweder – Oder“. Eine Sache, ein Zustand, ein Ereignis kann immer nur entweder das eine sein oder das andere, beides zugleich geht nicht.

Dieser Denkansatz bringt viele Vorteile. Er erlaubt zu analysieren, zu detaillieren, zu strukturieren. Man zerlegt das zu Untersuchende in seine Einzelteile und konzentriert sich ganz auf ein bestimmtes Teil. Aus diesem „Zerlegen“ entwickelte sich im Laufe der Zeit die Kultur der Spezialisierung. Die Teilgebiete wurden immer genauer erforscht, wurden nach Bedarf weiter geteilt und das Spezialwissen darin wurde immer umfangreicher. Erst durch diese Konzentration konnten die großartigen Errungenschaften gemacht werden, die wir kennen, erst dadurch wurde der rasante Fortschritt möglich, der unsere Zeit prägt.

Dieser Denkansatz hat aber auch seine Schattenseiten. Je weiter die Zerkleinerung fortschritt, umso mehr wurde „Das Ganze“ aus den Augen verloren. Die Beobachtung und damit die Handlungsansätze geschehen isoliert ohne Berücksichtigung des „Drumherum“. Die gegenseitigen Beeinflussungen, das wechselseitige Zusammenspiel der Einzelteile wurde immer mehr ausser acht gelassen.

Genau dies aber ist der Denkansatz des Ostens.

Hier gilt nicht entweder – oder, sondern das „Sowohl – als auch“.

Hier wird immer von einer Gesamtheit ausgegangen, die nicht trennbar und nicht teilbar ist. Die einzelnen Teile werden nicht isoliert betrachtet, sondern immer in Abhängigkeit zum Ganzen. Jeder Teil wird geprägt vom Gesamten und prägt seinerseits dieses. Alles beeinflusst sich gegenseitig, nichts geschieht ohne Wirkung auf das Andere.

Auch der Mensch wird in seiner Einheit gesehen, in Einheit von Körper – Seele – Geist und in Einheit mit seiner Umgebung. Menschen leben nicht allein, sondern zusammen mit anderen, sie existieren nicht isoliert, sondern sind Teile der Natur und des Universums.

Im westlichen Denken ist Mann/Frau/Kind entweder gesund oder krank, ein Dazwischen gibt es nicht. Es gibt viele Situationen, wo dieses Denken richtig und sehr oft (überlebens)notwendig ist. Eine Frau kann nicht ein bißchen schwanger sein, entweder sie ist es oder sie ist es nicht. Oder stellen Sie sich zum Beispiel Virusinfektionen, Vergiftungen, Unfälle und ähnliches vor. Hier kann und darf es nur ein entweder – oder geben, hier ist nichts anderes als der massive Einsatz aller Möglichkeiten unseres medizinischen Systems gefragt. Genau in solchen Situationen sind Spezialisten mit ihren Detailkenntnissen gefragt und die Sicht auf „das Ganze“ würde nur zu unnötigen und wahrscheinlich gefährlichen Verzögerungen und Ungenauigkeiten führen.

Aber Sie kennen ganz sicher auch andere Situationen.

Wahrscheinlich gibt es niemanden, der noch nie Kopfweh hatte oder noch nie von einer Verkühlung geplagt war. Möglicherweise können Sie nur schlecht einschlafen oder wachen in der Nacht des öfteren auf, vielleicht sogar schweißgebadet. Viele Menschen haben Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen, kalte Füße, fühlen sich nicht gut, sondern energielos und müde und so weiter und so fort.

Sind diese Menschen nun krank oder gesund?

Diese Probleme kann man nicht isoliert betrachten, sie sind immer das Ergebnis der gesamten Lebensumstände dieses Menschen. Seine Vergangenheit spielt dabei ebenso eine Rolle wie das gegenwärtige Umfeld, seine private und berufliche Situation ebenso wie seine Lebensgewohnheiten (Essen, Schlafen, Bewegung) und die Einflüsse, denen er ausgesetzt ist (zum Beispiel das Wetter oder der Arbeitsplatz). Mit anderen Worten, der Zustand eines Menschen ist das Ergebnis seiner gesamten energetischen Situation, seines CHI - und damit arbeitet die östliche Medizin.

Wir brauchen beides, das Wissen und Können des Westens und die Erfahrung des Ostens.

SHIATSU bedient sich der östlichen Erfahrung mit seinem ganzheitlichen Ansatz und ist angepasst an das westliche Wissen. SHIATSU kann daher hervorragend das westliche medizinische System ergänzen.